Grundschule Landau/Tschechei/Plattling =
Turbulentes Wochenende
21.07.06 bis 23.07.06

Das was wir an diesem Wochenende vor uns hatten war einzigartig.
Schon am Freitag war klar, das wir am Montag so fix und fertig wie noch nie sein würden. Aber eins nach dem anderen.
Am Freitagabend betätigten wir uns sozial und spielten als Überraschung für die Grundschule Landau. Die Kinder führten an dem Tag nämlich den „Rattenfänger von Hameln“ auf. Und in der Pause sorgten wir für ein wenig Kurzweyl. War ein voller Erfolg. Kinder und Eltern waren gleichermaßen begeistert.
Danach ging noch ein Teil Essen, der Rest verkroch sich Richtung Heimat, denn am nächsten Tag hieß es: Die Burg Rabi in Tschechien ruft!!!

So rotteten wir uns also in aller Früh beim Tierheim zusammen (beim, nicht im), nachdem wir uns schlaftrunken durch die Nebelschwaden getastet hatten (und sich der ein oder andere vor der Abfahrt noch mal in die Büsche verdrückt hatte).
Doch letztendlich hieß es: Los ging die wilde Fahrt!! Diese überspringe ich jetzt, da doch recht unspektakulär (unterbrochen nur ein , tschuldigung…)
Jpaar Mal von panischem Suchen nach einer Toilette
Der erste Blick den wir von der Straße auf die Burg erhaschten war überwältigend. Ich kann nur sagen: eine der schönsten Anlagen die ich je gesehen habe.
Am Fuße der Burg angekommen waren wir zuerst etwas irritiert, da uns ein typisch tschechischer Markt empfing und wir uns schon fragten ob wir hier richtig sind. Mit Händen und Füßen fragten (und schlugen, hihi) wir uns durch und fingen an unsere Instrumente auszuladen (hier eine Stellenanzeige:)
Suchen Roadie, zum schleppen der Instrumente, vorwiegend steile Schlossberge etc. hinauf, des Weiteren zählen zu den Aufgaben das Getränke und Essen holen, von Vorteil sind Massagekenntnisse, Bewerbungen bitte mit Lichtbild und Lebenslauf an unsere E-Mail.

Der Innenhof der Anlage hielt was die Burg von außen versprach. Das einzige was etwas enttäuschte waren die Stände. Wir hatten alle unsere Geldtaschen gefüllt bis obenhin, in freudiger Erwartung auf viele Stände, mit noch mehr Waren, zu noch weniger Geld, in gewohnt tschechischer Qualität.
Allerdings waren die wohl alle grade in good old Germany unterwegs. Na ja, man kann nicht alles haben.
Unsere Veranstalterin führte uns ganz nach oben (!!!! Keuch), in die wohl ehemalige Kemenate des Burgfräuleins, wo wir uns ausbreiteten. Mit Getränken wurden wir auch gleich versorgt. Daraufhin folgte erstmal die Burgbesichtigung, von oben nach unten, von links nach rechts und noch mal quer durch. Und ich kann nur sagen: Unbedingt anschaun!!!

Nach kurzem Frühstück ging’s dann auch schon los auf der sehr schön und günstig (Akustik) gelegen Bühne in einem Ausläufer des Burghofs. Unser Leithammel überraschte die Einheimischen mit seiner eigens dafür einstudierten Ansprache auf Tschechisch. Damit hatten wir die Aufmerksamkeit sicher. Handgeklapper für unsern Cheffe!!!!

Mit uns waren noch zwei weitere Bands vor Ort, eine davon aus Weißrussland, Stary Olsa.
Beide sehr nett und wir (vor allem unser Leithammel) feierten auch bald Verbrüderung, bzw. Verschwesterung. Ich sag nur: Slibowitz (gell Fremont?).
Die Verständigung erfolgte mit Händen, Füßen und ein paar Brocken Englisch. Sehr abenteuerlich. Aber ausreichend für manch fulminanten Handel…

Ab 18:00 Uhr wurden, für uns ungewohnt, alle Besucher rausgeschmissen und das Burgtor geschlossen um die große Abendshow vorzubereiten. So war erstmal Pause angesagt.
Die Gelegenheit wurde von unseren weißrussischen Freunden genutzt um mit ein paar Bekannten, Junggesellenabschied von einem der ihrigen zu feiern. Und was soll ich sagen, ich hielt es immer für ein Klischee, aber es stimmt, die Russen schütten den Wodka wie Wasser runter!!! Allein die Dunstwolke die um die Gruppe rum war reichte für unsereins aus um betrunken zu werden. Aber lassen wir das Thema. Hicks

Etwas ebenfalls neues für uns (und fast tödlich) war die Tatsache das die Darsteller zum Rauchen den Burghof verlassen mussten. So gingen unsere Raucher also vors Burgtor in der Nähe der Kasse. Bis plötzlich einer der Tschechen auf sie zukam und meinte sie sollen nicht direkt vor den Besuchern rauchen. Und verwies sie somit kurzerhand in ein bei der Außenbühne stehendes Zelt von einer anderen Gruppe. So saßen meine lieben Mitspieler also in diesem Zelt, neben und auf zahlreichen Truhen die darin rumstanden und rauchten nun endlich genussvoll ihre Zigaretten. Allerdings nicht lange, da plötzlich einer der Darsteller wild gestikulierend auf sie zukam und sie fragte ob sie lebensmüde sind. Denn das sei das Zelt der Heerestruppe und die Truhen seien bis obenhin voll mit Schwarzpulver!!!!!!!!!!!!!
Das hätte ein Feuerwerk gegeben! Flambierter CITler aller Rabi, gefüllt mit Slibowitz.

Ach ja, essen war natürlich auch angesagt. Da war sogar ein deutscher Stand der sich auf mittelalterliche Rezepte besonnen hatte. Mal was anderes als Gulasch und Bratwürste.

Am Abend spielten wir sowohl auf der Bühne, als auch vor der Burgmauer (neben dem Schwarzpulverzelt).
Doch bis wir uns erstmal hinter der Bühne versammelt hatten, mussten wir unseren Leithammel im Zaum halten. Ihm klar machen das die Instrumente geholt werden müssen, das gleiche gestimmt werden müssen, das ganze zehnmal sagen bis er reagiert und ihn daran hindern
Jwegzulaufen. Verträgt halt kein Alkohol der Gute…
Leider hatte sich das ganze Programm um 1,5 Stunden nach hinten verschoben. So standen wir da, bereit zum Spielen aber zum Warten verdammt. Jetzt zeigte sich langsam der fehlende Schlaf und die brütende Hitze des Tages forderte ihren Tribut. Für was ich diese Zeit nutzte war mir klar: Ich legte mich auf eine Bank und holte ein wenig Schlaf nach. Manch anderer vertrieb sich die Zeit mit intensiven Gesprächen mit dem anderen Geschlecht…

Worüber wir extrem positiv überrascht waren, ist das Verständnis für Musik von Seiten der Besucher. In Deutschland sind wir schon gewohnt, das die Leute mitten unter unserem Auftritt einfach zwischen uns durch rennen, direkt vor uns oder wir unsere Instrumente vor spielenden Kindern beschützen müssen und die Eltern lachend daneben stehn.
Das haben wir in Rabi völlig anders kennen gelernt. Kein Durchdrängeln, gespanntes Zuhören und obwohl wir teilweise in einem Durchgang spielten, kein vorbei rennen, höchstens zwischen zwei Liedern und dann auch nur mit einem entschuldigenden Blick.
Bei uns ist wohl das Verständnis für die Musik irgendwann zwischen Popstars, DSDS und Star Search verloren gegangen. Es scheint sich wohl die Meinung breit gemacht zu haben, das heute jeder Musik machen kann und damit Geld verdienen.

Zu guter letzt kam das Beste des ganzen Tages: Wir spielten zusammen mit den anderen beiden Bands auf der Bühne. Da standen wir nun, vier Schalmeien, zwei Dudelsäcke, sechs Trommeln, zwei Lauten und ein Tamburin!!!
Ein unvergleichliches Erlebnis, mit all den Musikern aus anderen Ländern auf der Bühne, die Masse an Instrumenten, harmonisch zusammen, ohne Probe oder sonstiges, verständigt nur durch die Musik…
Dieser Zauber der uns in dem Moment umgab sprang auch auf das Publikum über und es war ein einfach unglaublich einmaliges Erlebnis!!!!

Irgendwann nach zwölf Uhr nachts traten wir dann wehmütig die Heimreise an, denn am nächsten Tag rief bereits Plattling. So fielen wir dann so gegen drei Uhr ins Bett.

Zusammengefasst: Tolle Burganlage, nette Veranstalterin, gute Verpflegung, gute Organisation, tolle Darsteller und Besucher. Nur zu empfehlen!!!

Am nächsten Tag trafen wir uns wieder am selben Fleck wie am Vortag, nur um einiges müder.
Diesmal etwas edler gekleidet, denn: Die Nibelungenfestspiele zu Plattling standen bevor!

Die Fahrt lassen wir wieder, war ja diesmal ned so weit, und aufs Klo musste auch keiner.
Wir waren noch relativ früh dran und konnten dadurch direkt am Marktplatz parken.
Was das ausladen der Instrumente wesentlich erleichtert, aber erst musste der Veranstalter gesucht werden. Nach ausdauernder Suche war uns das auch geglückt, der Ablauf wurde geklärt und die Essensmarken verteilt. Oh, tschuldigung, ein Schreibfehler, ich meinte natürlich: die Essensmarke.
Wir waren extra Früh angereist damit wir uns gemütlich ein Frühstück reinziehen konnten. Wir nahmen dasselbe Cafe wie zwei Jahre zuvor und schlemmten ordentlich, um den Wirt milde zu stimmen, wenn wir später immer bei ihm aufs Klo gingen…
Ich schlemmte einen Zwetschgenkuchen mit Sahne und Apfelschorle, ein Fehler wie ich später merken würde.

Unser erster Auftritt fand auf der Bühne im vorderen Teil des Marktes statt und zu unserer Freude war eine für alle Gruppen nutzbare Soundanlage vorhanden. Dadurch erreichten wir mit unseren Gesangliedern wesentlich mehr Leute und das Publikum verstand die Texte auch besser. Wie schon gesagt, man könnte sich daran gewöhnen.
Kurz gesagt: Der erste Auftritt war gleich ein riesen Erfolg!

Jetzt bummelten wir erstmal über den Markt und erleichterten unsere Geldbeutel um einiges.
Die Ausbeute war unter anderem: zwei Paar neue Schuhe, eine neue Tasche, uvm.
Es war ein schöner Markt mit viel Auswahl an verschiedenen Ständen.

Dann rief auch schon wieder die Arbeit, denn es galt sich aufzustellen für den Umzug. Dafür tingelten wir alle bis zum Sportplatz hinter wo die Aufstellung war. Sehr gut organisiert muss ich sagen, denn jede Gruppe bekam eine Nummer zugeteilt, die am Teer aufgezeichnet war um jeglichem Chaos vorzubeugen.
So standen wir jetzt also da, in der brütenden Hitze, mitten am Sportplatz, Kilometerweit kein Fleckchen Schatten, auf dem heißen Teerboden. Und wir warteten, und warteten und der Schweiß floss. Unser Leithammel, das Weichei, hatte sich den einzigen Schattenplatz in der Umgebung geschnappt: hinter einem kleinen Anhänger. Soviel zum Thema Kavalier!!!
Und als wir uns da so die Beine in den Bauch standen, meldete sich auch mein Pflaumenkuchen wieder. Mitten am Sportplatz, weit und breit keine Toilette. Ich ahnte: das geht nicht gut aus.
Irgendwann ging’s dann doch stockend los und wir fingen zu spielen an. Als wir unter der Brücke durchgingen hatten wir ein wahres Dolby Surround-Erlebnis!
Der Umzug zog sich dahin, bis wir überhaupt beim Stadtplatz ankamen verging eine Ewigkeit und die Arme begannen zu schmerzen und den Bläsern die Luft auszugehen (auch das rumoren im Bauch steigerte sich). Irgendwann war dann endlich der Marktplatz erreicht und wir dachten: Gott sei Dank fertig! Aber weit gefehlt, auf der anderen Seite wieder raus, durch ein Wohngebiet durch, wieder zurück über den Marktplatz, und wieder eine Schleife durch ein Wohngebiet und wieder durch den Stadtplatz. Hier war der Punkt wo ich Ursus mein Tamburin in die Hand drückte und mich eiligst verdrückte. Aber der Umzug war zu dem Zeitpunkt sowieso zu Ende.
Fast eine Stunde Umzug, das war der wohl längste den wir je mitgemacht hatten, stöhn!!!

Jetzt stellten wir erstmal unsere Instrumente ins Eck (wir durften sie bei den Hunnen im Zelt zwischenlagern) und schmissen uns in den Schatten. Labten uns an unseren Radlern, Spezis und Apfelschorlen und lösten unsere Essensmarke ein…

Danach spielten wir wieder, diesmal mitten im Markt und unterhielten die Besucher beim Essen.
So spielten und tranken wir den Rest des Tages, bis um 20:00 Uhr unser letzter Auftritt war.
Wir saßen danach gerade gemütlich zusammen und aßen noch mal eine Kleinigkeit als der Veranstalter ganz aufgelöst zu uns kam und fragte ob wir noch einmal spielen könnten. Und zwar auf der Bühne der Nibelungenspiele um die Besucher zu unterhalten, da sich der Beginn der Festspiele verzögerte. Und da wir gutmütige Menschen sind, erfüllten wir ihm auch diesen Wunsch und spielten bis die Festspiele beginnen konnten.
Danach war aber wirklich Feierabend und wir traten geschafft aber glücklich den Heimweg an.

In diesem Sinne…

Viele Grüße an:

Die Burgfreunde zu Weißenstein
Stary Olsa

Ergebens

Eure Desideria